Allerheiligen (keltisch: Samhain)(1.November)
Das christliche Fest Allerheiligen ist das alte keltische Samhain, eine Totenfeier und der Beginn des keltischen Winters. Es handelt sich dabei um das dunkle Gegenstück zum Maifest (Walpurgis), mit dem der Frühling willkommen geheißen wird. In alter Zeit wurde nun das überzählige Vieh, das aufgrund mangelnder Möglichkeiten der Futterlagerung nicht über den Winter gebracht werden konnte, abgeschlachtet und eingepökelt. Dies geschah zu Samhain (ein Ausdruck, der wörtlich »Sommerende« bedeutet). Im Englischen Volksbrauchtum wird das Fest auch als Halloween gefeiert. Es ist auch die Zeit, da alte Sorgen und Beschwerden im rituellen Feuer verbrannt wurden — ein Abschied in mancherlei Bedeutung des Worts. Der Coven feiert seine Toten und die Jagd des Gottes oder der Göttin über die Dächer der Dörfer, über die Auen und Wälder. Das »Feiern« ist durchaus wörtlich gemeint: Zwar sollte das Ritual auch Raum für Besinnung und Meditation bieten, dennoch handelt es sich zugleich um ein Fest des freudigen Übergangs. Verwendete Ritual— und Meditationssymbole: Tod; Friedhof; Knochen; kahle Bäume; Eiben; Efeu.
Julfest (22.Dezember)
Das Julfest ist zugleich die Wintersonnenwende, ein uraltes Fest, das mit »Weihnachten« als Geburt Christi erst später vom Christentum mit Beschlag gelegt wurde. (Der altiranische Sonnengott Mithras wurde ebenfalls um diese Zeit geboren.) Auch die altrömischen Saturnalien fanden zu diesem Zeitpunkt statt. Wie der Begriff »Wintersonnenwende« schon besagt, wird nun die Geburt des neuen Lichts begrüßt. Es handelt sich also um das Gegenstück zum Mittsommerfest. Der Winter, der nun seine Mitte erreicht hat, geht jetzt zur Neige, die Kräfte des Lichts siegen über die Dunkelheit und man sieht freudig dem Frühling entgegen. Das Wort »Jul« bedeutet im Nordischen »Rad«, und mit dem Symbol des Rades wurde dieses Fest auch dargestellt. Es ist das Rad des Jahreszeitenlaufs, aber auch der Geburt, des Todes und der Wiedergeburt. Auch der Tod des llex—Königs (des englischen »Holly King«) wird jetzt begangen und wurde in alter Zeit auch regelrecht als Menschenopfer praktiziert — damit die Natur wieder fruchtbar werden konnte. (Ein heidnischer Brauch, der zu sehr vielen Mißverständnissen Anlaß gegeben hat und uns Hexen fälschlicherweise den Ruf eintrug, wir würden mit Vorliebe Säuglinge schlachten!) Der Coven feiert die Geburt des Sonnengotts und die »12 Heiligen Nächte der Mutter«, auch Geschenke werden ausgetauscht (ein Brauch, der ebenfalls weitaus älter ist als das Christentum). Die Göttin offenbart ihren Aspekt des »Lebens im Tode«. Verwendete Ritual—und Meditationssymbole: Krippe; Gebäck; Feuer, Tannen; llex (Stechpalme).
Lichtmeß (keltisch: Imbolg, auch Imbole)(1.Februar)
Das keltische »Imbolg« bedeutet »im Bauch, im Schoß«. Hier rührt sich der Frühling im Schoß der Erde, es ist das Fest des wiedererwachenden Lichts (daher auch die christianisierte Bezeichnung »Lichtmeß« = »Lichimesse oder—feier«. Imbolg, als Fest dieses Lichts, ist natürlich zugleich auch das Fest der leuchtenden Mondin, die ja die Aspekte der Jungfrau, der reifen Frau und der Vettel besitzt; das Fest der Brigid (Brid, Brigante), der strahlenden dreifachen Göttin, die auch für die Fruchtbarkeit zuständig ist. (Man hat die — christliche — Heilige, Brigid, auch als »Maria der Gälen« bezeichnet, und sie soll von einem Zauberer großgezogen worden sein, wußte Nahrung zu vermehren und konnte unter anderem ihr Badewasser in Bier verwandeln!) Deshalb wird die Lichtbraut auch mit zahllosen Kerzen und flackernden Lichtern begrüßt. Es ist auch die Zeit, da Thor den Eisriesen erschlägt und das Licht seinen endgültigen Sieg (für diesen Jahreszyklus) davonträgt. In altrömischer Zeit pflegten nun die Priester des Pan, die Luperci, nackt bis auf einen Lendenschurz aus Ziegenleder, durch die Gassen zu laufen und mit ihren Ziegenlederriemen jeden zu schlagen, der ihnen begegnete — vor allem verheiratete Frauen, die dadurch Fruchtbarkeit erlangen sollten. Es war eine Zeit der Reinigung (noch heute als Überrest im »Frühjahrsputz« zu erkennen!). Der Coven feiert die Göttin mit viel Licht und begeht den Sieg über die Finsternis. Die Reinigung steht im Vordergrund des Geschehens, ebenso die Freude über das bald aufblühenden Leben. Verwendete Ritual— und Meditationssymbole: Kerzen; Lichterkrone; die Lichtbraut; Stille; Schnee; Einsamkeit; Sterne; Wacholder.
Frühjahrstagundnachtgleiche (21. März)
Die »Frühlingsäquinox«, wie dieses Fest auch genannt wird, ist der Zeitpunkt der Geburt der Welt durch die Göttin und fällt zeitlich meist in die Nähe des christlichen Ostern (ein Fest, das ursprünglich der germanischen Göttin Ostara — möglicherweise eine Ableitung der babylonischen Ishrar oder Astarte, oder auch der ägyptischen Aset, die erst durch die Griechen zu »Isis« gemacht wurde — geweiht war und daher seinen Namen bezieht). Jetzt wird der Sonnengott nach seinem Tode wiedergeboren, und die Natur atmet mit neuem, blühenden Leben. Es ist die Phase der beginnenden Fruchtbarkeit, die im Hexenkult ihren Höhepunkt schließlich zu Walpurgis oder Beltane findet. Ein Symbol dafür ist auch das Feuerrad, das nach der Tradition der Gardnerians bei dieser Feier auf den Altar gehört und das sicherlich viel älter ist als die vergleichsweise späten Ergänzungen der Tradition durch Gardner selbst. Auch das Osterei ist vorchristlichen Ursprungs. Es ist das Weltenei, das um diese Zeit von der Göttin gelegt und durch die Hitze des Sonnengottes ausgebrütet wird und aufplatzt — wie die Blüten im Frühling! Ursprünglich handelte es sich dabei, auch in der druidischen Tradition, um Schlangeneier, die erst später durch Hühnereier ersetzt und zu Ehren des Sonnengotts rot gefärbt wurden. Der Coven begeht dieses Fest wie die Geburt der ganzen Schöpfung und wählt unter seinen jüngeren Mitgliedern die Frühlingskönigin aus, die nach dem Ritual reich mit Blumen beladen nachhause zurückkehrt. Verwendete Ritual— und Meditationssymbole: Eier; die ersten Blumen; Osterfeuer, Hase; die ersten zirpenden Vögel; Birke.
Walpurgis galt bereits in den frühen Zeiten christlicher Hexenverfolgung als »schlimmes Datum« — kein Wunder, denn es ist das Fest des fleisches! Das keltische »Beltane« bedeutet eigentlich »Bel—« oder, noch älter, »Baals—Feuer« (»Baal« hat die Bedeutung »Herr«). Die Bel—Feuer wurden auf Hügelspitzen entzündet, um die Rückkehr der Fruchtbarkeit und des Lebens zu feiern. Nun findet die orgiastische Vennählung von Gott und Göttin statt, im jauchzenden Tanz der Lebensfreude und der schieren Sinnlichkeit. Der gehörnte Gott Pan gibt hier mit seiner rasenden Lebensgier den Ton an in seinen vielen Gestalten, wozu auch Dionysos und Bacchus gehören. Der Sprung über das Feuer diente dem Liebeszauber: auf diese Weise wurden Liebespartner angezogen. Im keltisch— gälischen Raum fand nun der Viehtrieb auf die Sommerweiden statt, und in Britannien endete die Schonzeit für den Hasen, der als Mondtier der Fruchtbarkeit galt. Vor allem aber stand die ungehemmte, entfesselte Sexualität im Vordergrund der Feierlichkeiten. Der Coven feiert Walpurgis in klassischer Hexenmanier, wobei je nach Temperament und Neigung der Mitglieder auch die fleischliche Ausschweifung ihren Platz hat, wie wir sie von den bekannten Blocksbergszenen kennen. Die Hexen springen über das Walpurgisfeuer, das Fruchtbarkeit und materiellen Reichtum verheißt. Verwendete Ritual— und Meditationssymbole: Sexualität; Orgien; das Fest des Gehörnten Gotts; Phallus; Eiche; als Maibaum: Birke, Fichte.
Mittsommer (21. Juni)
Ganz eindeutig ein Fest des Sonnengottes, der nun seinen Zenith erreicht: heute, zum Sommersolstitium, ist sein längster Tag. Er wird angerufen, um die letzten Reste der Dunkelheit noch einmal zu verjagen und die Fruchtbarkeit des Landes zu gewähren. Der alte Eichenkönig wurde früher zu diesem Zeitpunkt geopfert, und der neue, virilere Ilexkönig (englisch: »Holly King«) nahm seinen Platz ein. Pan spielt verträumt auf hitzeflimmernderLichtung auf seinerFlöte, es ist die Zeit des Höhepunkts, aber auch des nahenden Abschieds vom Licht. Die Göttin zeigt nun ihren Aspekt vom »Tod im Leben«. Zwar pulsiert und sprießt die Erde aus vollen Kräften —doch bald wird der Zenith überschritten sein und das Reich der Dunkelheit fordert wieder sein Recht: Alles fließt, das Leben ist ein beständiges Auf und Ab, alles ist gut — das Licht ebenso wie die Finsternis. Der Coven begeht dies Fest zugleich jauchzend und mit einer gewissen Wehmut, wie es der Jahreszeit entspricht. Aus einer Vermischung der keltischen und der anderen europäischen Traditionen heraus wurde Mittsommer zu einer Feier des Feuers und des Wassers. Jetzt wird viel getanzt. Verwendete Ritual— und Meditationssymbole: Feuer, Elfentanz; Kiefer, der mit Wasser gefüllte Hexenkessel der Wiedergeburt.
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